Pfingsten

Vor ungefähr 2000 Jahre ereignete sich in Jerusalem ein Phänomen, das bald seine Stadtmauern überschreiten und den Mittelmeerraum im Sturm erobern würde.

 

Wo immer diese neuartige Gottesoffenbarung auftrat, zog sie Menschen in ihren Bann, belebte ihre Gottesdienste und transformierte die Teilnehmer zu „geistlichen Systemsprengern“. Auffallend ist bis heute, dass sie die Predigt von Jesus Christus als den Auferstandenen begleitet und geradezu legitimiert.

 

Das erstmalige Auftreten wird in der Bibel in der Apostelgeschichte Kap. 2 berichtet und als "Ausgießung des Heiligen Geistes unter die Menschen" interpretiert. 120 Personen hatten sich auf Anweisung von Jesus im Obersaal des Tempels zum Gebet versammelt, als plötzlich das Brausen eines Windes im Raum zu hören war, verbunden mit Feuerflammen, die über den Köpfen der Anwesenden sichtbar wurden. Als Folge dieses bis dato nicht bekannten Phänomens beteten diese einfachen Leute Gott enthusiastisch in verschiedenen fremden Sprachen an, die sie selber nicht verstanden. In Jerusalem hielten sich gerade viele Menschen aus verschiedenen Ländern auf, um das Pfingst- bzw. Erntedankfest zu feiern. Während die Einheimischen dieses frühmorgentliche Spektakel im Tempel für die Auswirkung eines Trinkgelages hielten, erkannten die Ausländer ihre eigene Sprache wieder und konnten sogar verstehen was gesagt wurde. Sie berichteten später, dass die betende Gruppe die "Großtaten Gottes" -also die Geschichte um den Auszug aus Ägypten u. ä. - verkündeten.

 

Seither hat das Pfingstfest für Juden und Christen unterschiedliche Bedeutung. Während die Juden das Fest "Schawuot" als Erntedank feiern, sehen die Christen darin den Anbruch einer ganz anderen Ernte: nämlich die göttliche Erfüllung der "gnädige Heimsuchung". Die weitere Erzählung der Apostelgeschichte dokumentiert den weltweiten Angriff der "agaphe" (Gottesliebe) auf totalitäre Herrschersysteme und damit den Siegeszug eines Gottesdienstes der ganz ohne Opfer und Liturgie auskommt. Denn die Gottesgemeinschaft wechselte von nun an vom Altar ins Innere des Menschen und formte erstmals die „ecclesia“ (siegreiche Gemeinde). Es entstand eine Gemeinschaft, die aus Menschen der unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten bestand und einmütig Gottesdienst feiern konnten. Zudem teilten sie untereinander alles was die hatten, sodass niemand Mangel litt.

 

Die anfängliche Annahme, dass Jerusalem durch dieses Ereignis künftig das göttlich bestätigte Zentrum der Christenheit sein werde, währte nicht lange, denn überall wo die Predigt von Jesus Christus dem gekreuzigten und auferstandenen erklang, erfüllte dieses Ereignis den Raum und veränderte das Denken der Menschen durch eine neue Sicht auf den Himmel und Gott selbst. Dieses neue Gottesbild und die damit verbundene neue Freiheit ist das Urmodell christlicher Glaubensgemeinschaft. Die historische Sprachenverwirrung nach dem Trumbau zu Babel, welche die Zerrüttung der Menschheit zur Folge hatte, wird durch dieses Ereignis überwunden, indem Menschen aller Sprachen wieder miteinander die Gottesgemeinschaft erleben.

 

Bis heute ist das Pfingstfest zwar fester Bestandteil unseres Kirchenkalenders, aber die Segnungen der „glossolaie“ (Sprechen in anderen Sprachen) sind weitgehend unbekannt. Dennoch gibt heute es pfingstliche Gemeinden, die diese neuartige Gottesoffenbarung nicht nur in ihre Lehre aufgenommen haben, sondern seine Auswirkungen auch im Gottesdienst praktizieren.  Feiern sie mit… Gesegnete Pfingsten