Advent - Ankunft

Eine Reformation rückt nicht nur das ins Blickfeld, was vom Urbild abgewichen ist, sondern weckt auch die Sehnsucht nach dem, was verheißen ist, aber noch nicht ist.

 

 

Ob nun erwartet oder nicht, mit dem ersten Advent beginnt ein neues Kirchenjahr. Es wird wieder seine gewohnte Kreisbahn ziehen, vorbei am Heiligabend, an Neujahr, Ostern und Himmelfahrt bis es mit dem Totensonntag im November endet, um dann wieder von neuem zu beginnen. Aufgebaut als Kranz, der weder Anfang noch Ende definiert, hat es etwas von einem Karussell. Man steigt an einer bestimmten Stelle auf, legt viele Meter in der Luft zurück und steigt am Ende an der gleichen Stelle wieder aus. Wirklich vorangekommen sind wir nicht, was aber vorangeschritten ist, ist die Zeit.

 

Die vier Kerzen symbolisieren die Adventszeit und sind der Weihnachtszeit vorangestellt. Nacheinander werden sie entzündet und sollen unsere Konzentration auf die Ankunft des Gottessohnes richten, die dann am Heiligabend gefeiert wird. Alle Jahre wieder und immer zur gleichen Zeit, das gleiche Ritual. Dabei erwarten wir, was längst gekommen ist. Vor rund 2000 Jahren sandte Gott seinen Sohn als Mensch auf diese Erde und der hat die damalige religiöse Welt ganz schön ins Grübeln gebracht. Zum Dank dafür haben seine eigenen Landsleute ihn am Kreuz zum Schweigen gebracht. Dass die Sache zwischen Himmel und Erde von vornherein abgekartet war, hat kaum einer bemerkt. Bis heute bleibt den meisten Menschen der Zusammenhang zwischen Weihnachten und Ostern völlig im Dunkeln. Oder ist ihnen bekannt, dass sie keine Angst mehr vor Gott zu habenbrauchen, weil alle Schuld vergeben ist, indem der Sohn Gottes sie auf sich nahm?

 

Ich frage mich, ob der Kirchenkalender in die richtige Richtung weist? Kann die Adventszeit nur rückwärtsgewandt verstanden werden? Wo bliebe da die Hoffnung der Christenheit? Während die Juden des Alten Testamentes die Ankunft des Messias erwarteten, leben wir heute im Neuen Testament mit dem Wissen, dass Jesus zu Weihnachten gekommen ist, unter uns lebte, an Ostern gekreuzigt wurde, und drei Tage später wieder aus dem Grab auferstand damit wir frei von Schuld für immer leben können. Und die biblische Erwartung geht noch weiter: Christen erwarten seine Wiederkunft auf die Erde. Denn so, wie er gegangen ist, wird er wieder kommen zu denen, die seine Ankunft erwarten. Er wird kommen, um auf dieser Erde ein Reich aufzurichten, in dem Frieden herrscht. Christensein heißt: durch den Heiligen Geist in einer Lebensgemeinschaft mit Jesus zu stehen, getragen von dem inneren Wissen: er kommt wieder! KM